Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins (MOHG) Band 103 (2018) erschienen


Der neueste Mitteilungsband (Nr. 103) des Oberhessischen Geschichtsvereins ist soeben erschienen. Der Jahresband 2018 beginnt mit einem kleinen Schwerpunkt zur Geschichte des Schiffenbergs. Die 2014 während der Basilika Restaurierung gefundenen Skelette im Außenbereich wurden von Expertin Johanna Kranzbühler nach anthropologischen Gesichtspunkten untersucht. Schiffenberg-Führerin Dagmar Klein stellt die neuen Erkenntnisse aus bislang nicht publizierten Inventarlisten (1660 und 1741) des Deutschen Ordens vor. Gemeinsam mit Arnulf Kuster und Florian Kupferrichtet sie den Blick auf den Brunnen im Schiffenberg-Innenhof, dessen technische Funktion in alten Zeichnungen verdeutlicht und mit historischen Postkarten illustriert wird.

Der Schiffenberg-Brunnen mit Göpel und Pferd.

Es gibt zwei Beiträge zur Universitätsgeschichte: Rolf Haaser widmet sich den Briefen Carl Vogts an Justus Liebig aus dem Exil. Herbert Zielinski befasst sich mit Johannes Haller, der Gießen 1913 in einem „hässlichen Finale“ verließ. Letzterer war einer der Vorträge aus der Vortragsreihe 20172018. Das gilt auch für Norbert Gissels Beitrag zur Geschichte des Sports in Gießen, genauer: zu seiner gesellschaftspolitischen Bedeutung im 19. Jahrhundert. „Vom Turnplatz aus muss sich unser ganzes Staatsleben sowie unsere ganze Kunst kerngesund entwickeln!“, lautete die damalige Forderung.

Zum aktuellen Jubiläum 100 Jahre Volkshochschule hat ein Autorentrio, bestehend aus Hans-Jobst Ulrike Krautheim, Ulrike Krautheim und Rita Rohrbach, die Geschichte dieser Bildungseinrichtung in Gießen recherchiert. Der Medizinhistoriker Herwig Groß, Autor der Ausstellung in der Vitos-Klinik, beschreibt die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Gießen „Vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs“. Dazu ist die Rede der Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz abgedruckt, die sie im Rahmen der Gedenkfeier für die Euthanasieopfer am 1. September 2016 in der Vitos-Klinik hielt.

Das Selterstor in der Vorkriegszeit.

Noch ein Jubiläum: Die Fußgängerüberführung mit dem Spitznamen Elefantenklo wurde in 2018 zu ihrem 50-jährigen Bestehen gefeiert. Christian Diller und Ansgar Dorenkamp haben dazu bereits 2009 in der Reihe Schriften zur Stadtgeschichte Gießen publiziert. Mit Marie-Louise Litmeyer beschreiben sie nun wie „ein Gießener Wahrzeichen sein Gesicht verändert“. Wieder hat die MOHG-Redaktion eine Veranstaltung dokumentiert, die im Rahmen des Projektes Stadt(Labor)Gießen zur Neuentwicklung des Oberhessischen Museums stattfand. Vasiliki Barlou, Dagmar Schweitzer des Palacios und Georgia Rakelmann hatten die ethnologische Sammlung gesichtet und vorgestellt unter der Überschrift „Schätze für Oberhessen. Der Traum vom Weltbürger sein”.

Marc Steinmann hat den Blick auf ein eher unscheinbares Detail geworfen, auf eine Hausinschrift in Hadamar, für die gilt: „Sieht aus wie Latein, ist aber keines.“ Eine ausführliche Rezension des Katalogs zur Wetzlarer Ausstellung „Mythos Wille. Johann Georg Wille/Jean Georges Wille (1715-1808). Ein deutscher Kupferstecher in Paris“ hat der einst in Gießen lehrende Professor für Kunstgeschichte Marcel Baumgartner beigetragen. Eine Dokumentation des Vereinslebens und von Zeitungsberichten über die Vorträge runden den Band wie gewohnt ab. Und für zwei kürzlich Verstorbene hat der Vorstand Nachrufe verfasst: für Josef ‘Jossi’ Stern und für Prof. Helmut Berding.

Der Band umfasst 306 Seiten und enthält zahlreiche Abbildungen. Er ist erhältlich im Stadtarchiv, für Mitglieder kostenfrei, ansonsten zum Preis von 14,50 €.

Zurück zu Aktuelles

„Und in allen Gegensätzen steht ...

... – unerschütterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalität und ohne gezücktes Schwert – die stille Liebe zu unserer Heimat.“ (Kurt Tucholsky)