Vortrag (24.06.2026), Filip Emanuel Schuffert: „In dieser Armut glückliches Hessen“ - Blick eines polnischen Emigranten auf das Oberhessen des Vormärz


Gerne weisen wir auf unseren nächsten Vortrag, diesmal außerhalb der üblichen Winter-Vortragsreihe hin: am Mittwoch, 24.06.2026, 19 Uhr im Netanya-Saal im Alten Schloss, Brandplatz in Gießen. Hierzu laden wir herzlich ein.

Thema des Vortragsabends von Dr. Filip Emanuel Schuffert: "In dieser Armut glückliches Hessen" - Blick eines polnischen Emigranten auf das Oberhessen des Vormärz

Der Referent Filip Emanuel Schuffert studierte Geschichte an der Universität Gießen, ist seit 2025 Co-Sprecher der Jungen Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde. In seinem Vortrag stellt er die erstmals ins Deutsche übertragenen Erinnerungen des polnischen Emigranten Wiktor Feliks Szokalski vor. Dieser kam in der Vormärzzeit mit anderen polnischen Flüchtlingen nach Gießen. Von 1832 bis zu seiner Ausweisung 1837 lebte er in Hessen, emigrierte dann nach Paris. Auch in Frankreich bewegte er sich weiterhin in deutschen Kreisen, 1848 nahm er als polnischer Agent an der Frankfurter Nationalversammlung teil. Szokalski wurde später bekannt als „Vater der polnischen Augenheilkunde“.

Über seine Zeit im „Rheinland“ hinterließ Szokalski umfangreiche Erinnerungen. Mit liebevollem, aber keineswegs blindem Blick für Missstände beschreibt der Beinahe-Grünberger-Bürger eine Region, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu den ärmsten Gegenden des deutschen Raums gehörte. Er bietet spannende Einblicke in das gesellschaftliche Klima des Vormärz, die Lehrmethoden an der Ludwigs-Universität Gießen und mit fast ethnographischer Genauigkeit in die Lebensweise der „Süddeutschen“.

Zusammen mit den bislang nur handschriftlich überlieferten Briefen an die Mutter und den Reisetagebüchern zeigen Szokalskis Erinnerungen, wie ein polnischer Emigrant das politisierte Oberhessen zwischen Polenfreundschaft, Frankfurter Wachensturm und Nationalversammlung in der Paulskirche wahrnahm. Die Publikation der Erinnerung noch in diesem Jahr ist geplant.

Der Referent: Filip Emanuel Schuffert studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen Geschichte, Osteuropäische Geschichte, Soziologie und Slawistik. Sein Studium schloss er mit mehrfach ausgezeichneten Abschlussarbeiten ab. Neben einer Projektanstellung am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden und später an der Universität Wien war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Regensburg. Dort schloss er 2026 seine Dissertation „Metropolitane Transformationsprozesse Warschaus im 18. Jahrhundert“ ab. Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, des Instituts für vergleichende Städtegeschichte in Münster sowie des Deutschen Historischen Instituts Warschau.

Vorausblick: Die OHG-Wintervortragsreihe startet am 14. Oktober 2026 mit dem Vortrag von Prof. Dr. Walter Mühlhausen zum Thema: „Hessen vorn“ – die Ära von Georg August Zinn 1950-1969. Parallel eröffnet das Museum für Gießen die Wanderausstellung zu G. A. Zinn.

Auch Nicht-Mitglieder sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig.

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„Und in allen Gegensätzen steht ...

... – unerschütterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalität und ohne gezücktes Schwert – die stille Liebe zu unserer Heimat.“ (Kurt Tucholsky)