Vortrag (21.02.2024): Vortrag von Prof. Dr. Athina Lexutt (Gießen): „Vom Elfenbeinturmgelehrten zum antisemitischen Irrlehrer – Der Weg Georg Bertrams von der Gießener Theologie zum sog. Eisenacher Entjudungsinstitut“


Der OHG lädt herzlich ein zu einem

Vortrag am Mittwoch, 21. Februar 2024 um 19 Uhr
im Netanya-Saal im Alten Schloss am Brandplatz.

Der Oberhessische Geschichtsverein Gießen e.V. und die Christlich-jüdische Gesellschaft Gießen-Wetzlar laden ein zum Vortrag von Prof. Athina Lexutt, ev. Theologie, Justus-Liebig-Universität Gießen.

Bertram war ein anerkannter Wissenschaftler. In seinem Forschungsgebiet war er exzellent und hat Ergebnisse präsentiert, die bis heute Gültigkeit beanspruchen. 1925 wurde er an die Theologische Fakultät der Universität Gießen berufen und tat genau das, was man von einem Professor erwartet: seine Forschungen vertiefen und Studierende in der Lehre mitnehmen auf diese spannende Reise, Neues zu entdecken und für den Beruf fruchtbar zu machen.

Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, der Gleichschaltung der Universität und der ideologischen Ausrichtung weiter Teile der Universität und der Theologischen Fakultät zeigte er nach und nach ein anderes Gesicht. Aus dem Gelehrten, dem Professor und Wissenschaftler wurde ein glühender Verfechter des NS. 1939 wurde er Mitarbeiter und 1943 sogar Leiter des sogenannten Eisenacher "Entjudungsinstituts". Seine Forschungen stellte er ganz in den Dienst der NS-Ideologie.

Wer war dieser Georg Bertram? Und wie konnte aus dem leidenschaftlichen Forscher ein solcher Fanatiker werden? Der Vortrag versucht, den Weg Georg Bertrams von 1925 an nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie erschreckend leicht es war - und ist! - von einem der Objektivität verpflichtenden Wissenschaftler zum Handlanger eines Unrechtssystems zu werden.

Prof. Athina Lexutt (geb. 1966) studierte in Bonn, promovierte 1996 mit einer Arbeit zu den Reichsreligionsgesprächen in Hagenau, Worms und Regensburg 1540/41 und habilitierte sich im Jahr 2000 mit einer Untersuchung zu Johann Arndts Theologie zwischen Lutherischem Bekenntnis und Praxis pietatis. Seit 2001 hat sie die Professur für Kirchen- und Theologiegeschichte am Institut für Evangelische Theologie der Justus-Liebig-Universität Gießen inne. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Reformationsgeschichte und der Theologie Martin Luthers. Weiter beschäftigt sie sich mit dem Humanismus, der Theologie des Mittelalters und seit einigen Jahren verstärkt mit Geschichte und Theologie des 19. Jahrhunderts sowie zeitgeschichtlichen Themen (etwa Kirchengeschichte der DDR). Sie ist zudem Prädikantin der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Vermittlung theologischer Überlegungen und Einsichten in gegenwärtige Herausforderungen von Kirche, Gesellschaft, Kultur und Politik.

Auch Nicht-Mitglieder sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, zumindest auf dem Weg zum Sitzplatz, wird weiterhin empfohlen.

Bitte beachten Sie auch unseren Flyer mit Vortrags- und Exkursionsprogramm 2023/24.

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„Und in allen Gegensätzen steht ...

... – unerschütterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalität und ohne gezücktes Schwert – die stille Liebe zu unserer Heimat.“ (Kurt Tucholsky)